Konsensusgruppe Adipositasschulung
für Kinder und Jugendliche e. V.
Selbstwahrnehmung
Adipöse Kinder haben Schwierigkeiten in der Differenzierung von inneren Prozessen und sind deshalb nicht in der Lage, selbstständig und flexibel ihre Nahrungszufuhr und -auswahl zu regulieren. Gerade weil sie in der Entwicklungsphase von 6 -12 Jahren für externe Einflüsse offen sind und der Integrationsprozess der Steuerungsmechanismen noch nicht vollständig abgeschlossen ist, ist es günstig, hier anzuknüpfen und ihnen neuartige Erfahrungen anzubieten. Das Geschmackserleben bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen scheint oft verflacht zu sein. Sie sind es gewohnt, das Essen zu schlingen und zu stopfen. Hier sollen im Programm Erlebnisräume geschaffen werden, die zu einer Verlangsamung führen und damit erst die Möglichkeit zur Wahrnehmung geben. Die Kinder und Jugendlichen müssen angeregt werden, ihre Sinne neu zu erleben und zu schärfen.
Sie erwerben auf diese Weise neue Kompetenzen, die für ein verändertes flexibles Essverhalten nötig sind. Erreicht werden soll, dass die Kinder und Jugendlichen wissen, worin die Unterschiede zwischen Hunger, Appetit und Heißhunger bestehen, und dass sie diese auch wahrnehmen können.
Sie trainieren die Unterscheidung zwischen diesen Empfindungen und lernen, situative und affektive Auslöser zu identifizieren. Sie üben, Sättigungsgefühle während der Mahlzeiten wahrzunehmen und Appetit zu widerstehen.
Im Idealfall lernt ein Mensch seinen Körperbau realistisch einzuschätzen, so dass seine Selbsteinschätzung mit der Einschätzung seiner Umwelt übereinstimmt. Adipöse hingegen zeigen eine Tendenz zu einer köperbezogenen Wahrnehmungsstörung. Während ein Teil übergewichtiger Kinder und Jugendlicher sich nicht so dick einschätzen, wie sie tatsächlich sind, haben andere adipöse Kinder ein sehr negatives Selbstbild und sehen sich als ein ”grotesk-ungestaltetes Wesen”.
Negiert die erste Gruppe Probleme mit ihrem Körper, so leidet die zweite Gruppe stark unter ihrem Körperbild.
Die betroffenen Kinder und Jugendlichen empfinden ihren Körper als ekelerregend, verachten ihn und entwickeln so große Unsicherheiten in ihrem Sozialverhalten.
Der Baustein Körperwahrnehmung bietet den Kindern und Jugendlichen einen Erfahrungsraum, in dem sie den eigenen Körper entdecken und wertschätzen sollen. Sie werden dazu befähigt, gewichtsbedingte Einschränkungen ihrer Beweglichkeit ebenso zu realisieren wie vorhandene Bewegungsspielräume.
Sie lernen ihren Körper differenzierter wahrzunehmen und erleben, was sie an ihm mögen, aber auch, was sie ablehnen. Die Kinder und Jugendlichen können sich schließlich selber betrachten, selbstbewusst darstellen und ausdrücken.
Im Baustein Stimmungen und Gefühle werden die Kinder und Jugendlichen dazu angeregt, einen besseren Zugang zu ihren Stimmungen, Gefühlen und Motiven zu finden. Sie verbessern ihre emotionale Ausdrucks- und Kommunikationsfähigkeit, lernen Stimmungen und Gefühle zu benennen und deren Zusammenhang zum Essen zu erkennen.
Sie können eigene Gefühle und Stimmungen besser wahrnehmen und lernen diese ohne Essen auszudrücken.