Konsensusgruppe Adipositasschulung
für Kinder und Jugendliche e. V.

 

Soziale Kompetenz

Vor dem Hintergrund ihrer sozialen Stigmatisierung haben es adipöse Kinder und Jugendliche
schwer, sich in der sozialen Interaktion als kompetent wahrzunehmen und zu verhalten. Die Dauerkränkung des Selbstwertgefühls führt zu einer Fehleinstellung im Sozialbereich. Während ein Teil mit sozialem Rückzug reagiert, versuchen andere sich in ihre soziale Gruppe zu integrieren, indem sie z.B. eine Clownsrolle übernehmen oder sich Zuwendungen erkaufen. Stark adipöse Kinder initiieren und empfangen häufiger negatives soziales Interaktionsverhalten. Die Tendenz zur Introversion und zur sozialen Scheu korrespondiert mit der Bestrebung, alltäglichen frustrierenden Konflikten auszuweichen.
Adipöse Kinder sind in ihren psychosozialen Verhaltensweisen häufig nicht ihrem Alter entsprechend entwickelt, sie weisen oft infantile Züge auf und sind im Verhältnis zu normalgewichtigen Kindern stark an ihre Bezugspersonen gebunden.  

Auch in der klinischen Erfahrung zeigt sich deutlich, dass übergewichtige Kinder häufig konfliktbesetzte Gefühle unterdrücken und selten versuchen, problematische Situationen durch eigene Lösungsversuche zu bewältigen.

Stattdessen wirken sie oft passiv. Sie selber berichten davon, in schwierigen Situationen häufig mit übermäßigem Essen zu reagieren, statt sich zur Wehr zu setzen. Häufig wird deutlich, dass auch die Bezugspersonen ihnen hier wenig Unterstützung geben, da auch sie Defizite im Konfliktverhalten aufzeigen. Adipöse Kinder und Jugendliche sind charakterisiert durch: erhöhten Leidensdruck und mehr psychische Auffälligkeiten, starken sozialen Rückzug bei Jungen, gehäuft somatische Probleme und depressive Symptome bei Mädchen.

Um den Teufelskreis von Abwertung, Frustration und Essen als kompensatorischer Konfliktverarbeitungsstrategie zu durchbrechen, wird im Rahmen des Schulungsprogramms die soziale Kompetenz und Konfliktfähigkeit gefördert.